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geschichte

Die Zeit nach der Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 war eine Epoche großer politischer, wirtschaftlicher und geistiger Umwälzungen. Die Veränderungen betrafen auch die Gesetze: In dem neuen, aus vier Königreichen, achtzehn Fürstentümern und drei Hansestädten gebildeten gesamtdeutschen Staat wurde z.T. einzelstaatliches durch ein im ganzen Reich geltendes Recht außer Kraft gesetzt. Für die Freimaurerei in Deutschland hatte diese Veränderung weit reichende Folgen.

In der Zeit des Niederganges des Absolutismus hatte sich Preußen 1798 durch ein vom preußischen König Friedrich Wilhelm III erlassenes Edikt vor der Gründung von „geheimen“ Vereinigungen zu schützen gesucht. Ausgenommen waren davon nur die drei mit königlicher Protektion in Preußen bestehenden „altpreußischen“ Großlogen und ihre Tochterlogen, die nicht als „suspekte“ Vereinigungen überwacht wurden. Von ihren Mitgliedern verlangten diese „altpreußischen “ Logen das Bekenntnis zum christlichen Glauben. Menschen anderer Religionszugehörigkeit - das betraf damals vor allem Juden - waren damit von einer Mitgliedschaft ausgeschlossen.

Obwohl die Satzung der (altpreußischen) „Großen Loge Royal York zur Freundschaft“ seit 1872 die Aufnahme von Juden in die drei „Johannisgrade“ zuließ, wurden auch nach 1872 de facto keine Juden aufgenommen: Aufnahmeanträge von Juden wurden, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in den Logen abgelehnt. Zwar versuchte Hermann Settegast, der 1881-1889 als Professor an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin lehrte und 1889 Großmeister der „Großen Loge Royal York zur Freundschaft“ wurde, diese Praxis durch eine Reform zu unterbinden. Settegast scheiterte jedoch mit seinem Vorhaben und verließ 1890 die „Große Loge Royal York zur Freundschaft“.

Aufgrund der ersten preußischen Verfassung von 1848, durch die Reichsgründung von 1871 sowie durch die Reichsverfassung von 1890 verlor das o.a. Edikt von 1798 seine rechtliche Wirksamkeit. Diese veränderte Rechtslage nutzte Hermann Settegast, um 1892 die „Große Freimaurerloge von Preußen“, genannt „Kaiser Friedrich zur Bundestreue“, und - als deren erste Tochterloge - die Loge „Victoria“ zu gründen.

 

Die „Victoria“ war die erste „humanitäre“ - d.h.: nicht exklusiv christliche - Loge in Preußen. Ihre Gründung öffnete auch Männern anderer Religionszugehörigkeit – d.h.: vor allem Juden – den Zugang zur Mitgliedschaft in einer preußischen Freimaurerloge.

 

Ihren Namen gab sich die Loge in Anerkennung der vielfältigen Verdienste, die sich Victoria, die Gattin des bereits verstorbenen liberalen deutschen Kaisers Friedrich III, auf sozialem Gebiete erworben hatte.

Liberalität, Toleranz in Hinsicht auf Religion und Weltanschauung sowie die Gleichbehandlung ohne Ansehen von Herkunft oder Stand sind den Brüdern der Loge Victoria auch heute ein zu bewahrendes Vermächtnis.

Hermann Settegast - Gründer der Loge Victoria


Friedrich III.


Victoria Princess Royal of the United Kingdom of Great Britain and Ireland und als Gemahlin Friedrichs III. preußische Königin und deutsche Kaiserin